Emanzipation der Frauen - wenn 100% völlige Emazipation bedeuten, wie weit sind wir gekommen?

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Sonntag, 10. August 2008

zhongguocan - chinesische küche


nirgendwo sonst könnte ich soviel abenteuer beim essen haben. chinesen geben aber viel fürs essen. meistens bleibt ein drittel übrig. ob das aus manieren/höflichkeitsgründen ist, weiß ich nicht. ich denke die leute wollen einfach so viel, wie sie bezahlen können und dann richtig viel essen. wie läuft das ab mit dem essen, wenn das ja so toll ist?, fragst du dich jetzt.
erstmal brauchst du leute mit denen du essen gehen kannst. für mich ist das kein schweres ding, ich finde leicht neue leute. (freunde finden ist in shanghai lebenswichtig, manchmal sind die freundschaften genauso oberflächlich wie shanghai selbst) als nächstes geht man eine lange straße entlang, für vielleicht ein halbe stunde, solange bis man ein restaurant findet, das gut aussieht. gestern war das wohl ein südchinese. ich vermute es, denn es gab allerlei zu essen und große aquarien und käfige mit leckerem essen. es war eines von den teureren, das bedeutet über fünf euro für drei leute an einem abend. aufgrund seiner klasse hatte es auch eine lange aufgestellte, ein meter hohe wand mit allen verfügbaren gerichten darauf. auf der stellwand waren dann nochmal ministellwände hingestellt um die auswahl zu erweitern. und ich durfte heute essen aussuchen. ich laufe die wand entlang und nehme erstmal eine orangefarbene pflanze, ich hoffe es schmeckt. dann wechsel ich die seite der stellwand und sehe meinen (alp)traum: gegrillte Heuschrecken! ich blicke zu meinem tisch und denke mir, es würde ihnen definitiv etwas ausmachen, doch wie kann man sagen man hat in china kulinarisch etwas geschmeckt, wenn man nicht insekten gegessen hat? ich bestelle den großen teller bei der bedienung, die immer einen meter hinter mir mit einem clipboard hertrabbt. ich wechsele nochmal die seite und nehme grüne erdnüsse und fleischbällchen. (aus was genau diese fleischbällchen bestehen, fanden wir nicht wirklich heraus, nur dass es aus dem schwein kommt^^) ich sage der lieben clipboardfrau, dass das alles war und sie geht und ich gehe zu meinem tisch. ich versuche ein grinsen zu unterdrücken. wir reden über gastfamilien, mädchen und andere bekanntschaften, bis das erste gericht kommt. das gemüse, oder so dachte ich, ich glaube es könnte auch obst sein, jedenfalls schmeckte es nach etwas, was ich weder vergleichen noch beschreiben kann. einfach nur strange kann man dazu sagen, die skeptischen blicke meiner tischgenossen sagen mir das gleiche. dann kommen die erdnüsse, die wohl gedampft wurden. ich fand sie schmecken lecker, meine essfreunde beschweren sich, wie man denn erdnüsse versauen könne. und dann kommen sie endlich, meine heuschrecken, meine hauptgänge. alle anderen am tisch erstarren und schnaufen und finden ihre worte nicht. ich frage, um die peinliche stille zu beenden: was is? und da bricht ein schwall der worte über mich herein...manche dinge will ich hier nicht schreiben^^. doch dann hatte ich lange genug smalltalk getrieben und machte mich an "das fleisch" heran, so hatte ich es den anderen beschrieben. aus sicherheitsgründen biss ich ermal nur den hinteren teil des insektenkörpers ab, also ohne flügel und kopf. dann ließ ich eine bedienung kommen und sie erklärte, man könne sie ganz essen. fantastisch denke ich mir und schiebe mir eine ganz heuschrecke in den mund und beiße herzlich drauf. ein flügel hing mir wohl auf den lippen und die bedienung schauderte. denn insekten essen auch viele chinesen nicht. es knackte und knarzte in meinem gaumen, aber satt haben die heuschrecken mich auf jeden fall gemacht! meinen mitessern ging das wohl nicht so, die aßen lieber die schweinefleischbällchen und später noch gefüllte teigtaschen beim imbiss um die ecke. ich war jedoch voll und ließ mir zum schluss noch die erdnüsse und heuschrecken einpacken.
ich möchte hiermit jedem chinabesucher empfehlen keine falsche scham zu haben bei chinesischer cuisine und immer beherzt zuzulangen!

Sonntag, 3. August 2008

"60 Yuan" "No!" "OK, 10 Yuan"




einkaufen in shanghai macht richtig spaß. ich liebe sowieso shopping und alles was dazugehört. die überfüllten taschen, die wie bienenstöcke im wind baumeln, das gefühl der freiheit alles kaufen zu können, und die vorfreude aufs auspacken zuhause machen das ambiente aus... in deutschland
doch hier is das alles ein wenig anders (wie unerwartet!).
der einkaufsbummel ist von tag zu tag unterschiedlich. es gibt tausende kleine straßenläden mit 2mal2 metern verkaufsfläche, wie auch riesige shoppingcenters, und zusammen hat man eine tolle auswahl. als ausländer wird einem empfohlen nur in den einkaufszentren einkaufen zu gehen, damit man nicht übers ohr gehauen wird oder dreckige waren oder sonstwas (cholera??) kriegt. aber das mache ich definitiv nicht. (natürlich gehe ich auch in die wunderschönen glitzer shoppingcenters^^) ich mag diesen dualismus von ausländer und chinesen nicht. die ausländer werden nämlich hier immer bevorzugend behandelt. (trotzdem werden ihnen sechsfache preise gesagt!) hier soll ich in klimatisierten kaufpalästen meine hundert yuan (entspricht zehn euro) ausgeben für kleidung von westlichen marken, aber das wäre doch idiotisch, oder?
ich mache das anders.
gestern war ich mit freunden in einem restaurant für weiguoren (ausländer) fragte ich den gelangweilten, gutaussehenden kellner, wo man hier weggehen kann. er empfahl mir mehrere bars und clubs, aber alle natürlich für ausländer. also fragte ich ihn wo ER denn weggehe, wenn er spaß haben wolle. plötzlich stockt er, schaut sich um und stottert in bröckeligem english etwas von "don't know". ich will der sache auf den grund gehen und frage ihn ob er denn überhaupt antworten DARF: "you allowed to say?" anscheinend darf er nicht, er drückt mir ein paar minuten später entschuldigend ein heftchen mit lauter touristenaktionen in die hand. schade, dass das restaurantpersonal hier sehr streng gezügelt wird. alle haben uniformen zu tragen und still dazustehen, jeden gast zu begrüßen und die richtigen floskeln zu sagen. das leise sein ist offensichtlich unangenehm für den kellner.
die chinesen haben nämlich eine lockerere art zu dinieren und lassen sich nicht von unnötigen manieren stören. die ellenbogen gehören auf den tisch und es darf gerülpst und geschmatzt werden.
gegessen wird nur in gemeindschaft. alle essen von allen.
es gibt fünf teller und jeder darf bei jedem zulangen. damit die arme der essenden nicht tief in leckere töpfe hineintunken, wurde schon vor jahrtausenden das drehbare, kreisförmige element in der mitte des runden tisches erfunden. hier gibt es eine spezielle verkehrsvorschrift: es darf nur im uhrzeigersinn gedreht werden, ansonsten käme es zu ernsten unfällen!